#29 Das Land der leuchtenden Hände. 1. Teil

Nur noch hundert Meter bis zur Grenze. Darf mich nicht umdrehen, sonst erwischt er mich noch. Er darf die Grenze nicht passieren, er muss sich an das Gesetz halten. Zumindest an dieses eine. Seine Hand greift nach mir, eine flinke Bewegung genügt, um ihr zu entgehen. Ich kann die andere Seite nicht erkennen, das Jenseits liegt hinter der spiegelnden Scheibe verborgen. Noch zwanzig Schritte, mehr können es unmöglich sein, mehr kann ich unmöglich schaffen.
Das Keuchen meines Verfolgers wird lauter, mischt sich mit dem Pfeifen meiner Lunge, der Sprint setzt uns beiden zu, meine Ausdauer schöpft sich allein aus der Todesangst. Meine Finger berühren die Grenze, fließen hindurch und verschwinden hinter ihr, der restliche Körper wird vom Sog erfasst und mitgerissen.
Kaum erreiche ich die andere Seite, geben die erschöpften Beine nach, ich sinke auf die Knie, spucke Blut auf den metallischen Boden.
„Wir haben es geschafft“, spricht die Stimmer auf meiner Schulter, „wir haben ihn abgehängt.“
Unfähig, mich zu erheben, wische ich mir den salzigen Schweiß ab, der in den Augen brennt. Meine Vermutungen waren zutreffend, der Wächter konnte mir nicht folgen, er bremste kurz vor der Grenze scharf ab und verschwindet hinter ihr aus dem Gedächtnis. Langsam begreife ich, welches Opfer meine Flucht forderte, die Rückkehr ist von nun an ausgeschlossen. Alles, was hinter mir liegt, gehört nunmehr der Vergangenheit an, der toten, nie wiederkehrenden Vergangenheit.
Vor mir erstreckt sich das Reich der leuchtenden Hände. Ein stumpf grauer Monolith wächst aus den endlosen Tiefen des Nichts bis hoch in den Himmel, über ihn hinaus, bis zur gleißenden Sonne, aus der er einst seine Macht schöpfte. Um diesen mächtigen Wolkenkratzer winden sich stählerne Treppen in einer aufsteigenden Spirale. Die fernen Stufen und Etagen wirken wie ein feines, dunkles Netz, dass den farblosen Monolithen marmoriert.
Langsam erhebe ich mich, doch die Ehrfurcht vor diesem unmenschlichen Bauwerk lähmt mich in erhabenem Staunen. Auf den Treppen tummeln sich die Bewohner dieser mechanischen Welt, sie laufen geschäftig dem Leuchten in ihren Handflächen nach, die Köpfe geneigt, gebannt von dem grellen Licht, das ihnen den Weg weist, dem sie hörig bis in den Tod folgen. Ihre geblendeten Augen sind taub für die Außenwelt geworden, die leuchtenden Hände sind ihre einzigen Anhaltspunkte, ihre Wegweiser in diesem unüberschaubaren Chaos.
Mit einiger Mühe schaffe ich es, mich in Bewegung zu setzen und mich dem Fuß der Treppen zu nähern. Immer wieder fließen die Bewohner an mir vorüber, beachten mich nicht, nehmen mich wahrscheinlich nicht einmal als Eindringling wahr, sie sind es lediglich gewohnt, der Körperwärme anderer Lebewesen auszuweichen. Ihre Kleider wirken edel auf mich, der in zerrissene Lumpen gehüllt als Außenseiter unverkennbar ist. Sie sprechen nicht, weder mit mir, noch untereinander, laufen, laufen immer voran, dem blendenden Schein ihrer Hände hinterher.
„Wir müssen hinauf“, befiehlt die Stimme auf meiner Schulter, „ganz nach oben! Wohin denn sonst?“
Hinauf? Hinauf bis zur Sonne? Ich versuche, den Kopf in den Nacken zu legen, doch in diesem Land schaut niemand nach oben. Kaum überschreitet mein Blick den Horizont, befällt mich ein stechender Schmerz, der sich als Krampf vom Schädel über das Rückenmark herab fortsetzt. Unwillkürlich setzt sich mein Bewegungsapparat in Gang, versucht mit den Einheimischen Schritt zu halten, sich einzureihen, um unauffällig in ihrer Masse zu verschwinden, um langsam die unzähligen Stufen nach oben zu bewältigen. Nach oben, bis hinauf zur Sonne.
Die Treppen sind aus scharfkantigen Stahlgittern gefertigt, deren Muster sich in blutigen Linien an meinen nackten Sohlen abzeichnet. Durch die feinen Löcher im Boden kann ich nach unten sehen, doch auch dort gibt es nichts zu erkennen, woraus sich Mut schöpfen ließe. Ich presse die Nase an die Außenwand des Monolithen, um zu erkennen, was darin vor sich geht. Zunächst hielt ich ihn für massiv, doch wenn die Augen die glanzlose Oberfläche überwunden haben, lässt sich das ausgehöhlte Innenleben bewundern.
Die Einheimischen darin sitzen unbewegt vor gläsernen Monitoren, die ihnen in rasanter Geschwindigkeit Bilderfolgen aufzeigen. Hin und wieder strecken sie ihre Hände aus, drücken oder wischen über die stumpfen Glasflächen, in verzweifelten Versuchen, ihres immateriellen Inhalts habhaft zu werden. Mein Atem kondensiert an den Wänden des Monolithen, hinterlässt neblige Abdrücke des Lebens, das mit jeder zeitlosen Sekunde aus mir strömt.
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#28 Hamburg meine Perle

Hallo Buddy,

Seit dem letzten Post ist einige Zeit ins Land gestrichen wie ein Couchsurfer. Ungezogen & umgezogen ließ ich die altehrwürdigen Mauern Nürnbergs hinter mir und genieße nunmehr die steife Brise in der freien Hansestadt Hamburg.

Derzeit recherchiere ich Science-fiction Literatur und technophilosophische Aufsätze über die Beziehung zwischen Mensch und Maschine sowie deren Kommunikationsprobleme. Das Projekt, welches mich dazu motiviert, ist der dritte Teil der Fantasygeschichte. Ich hoffe, dass in dem Fallout dieser Recherchen auch einige kürzere Sci-fi Stories herauskommen, in denen ich Ideen behandle, welche keinen Platz in DFG#3 finden. Zudem arbeite ich an einer Zusammenstellung ausgewählter Gedichte in einem Band, dessen Form sich meiner Vorstellungskraft derzeit noch entzieht.


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Der Dichter bei der Arbeit

Um die Qualität der Literatur stetig zu steigern, habe ich mich entschlossen, das Studium der Philosophie weiterzuführen. Zum Dr. Bilderberg ist es noch ein weiter Weg, doch hoffe ich, dass meine Bemühungen den intellektuellen Anspruch kommender Publikationen erhöhen.

Außerdem habe ich ein weiteres Hobby zum Beruf gemacht, indem ich nunmehr Scherzartikel und Jonglierbedarf in einem entsprechenden Geschäft verkaufe. Schließlich erfordert eines meiner Seminare die Erbringung von 50 Sozialstunden, sodass ich alle Hände voll zu tun habe. Erfreulicherweise bereiten mir all diese unterschiedlichen Aufgaben Freude.


Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, auf dass du deine Träume verwirklichst!

Sei stolz und bescheiden

Johann Bilderberg

#27 Kunterbunte Kirmes

Hallo Buddy,

Auf der Lesung am 7.2. stellen wir unter anderem die Graphic Novel „BREAKDANCE – Der abgefahrene Jahrmarkt“ vor. Das Projekt entstand in gemeinsamer Arbeit mit dem Illustrator/Designer Benno Gabler.

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Ich bin besonders auf das fertige Ergebnis gespannt, da es das erste Mal ist, dass ein Text von mir nicht nur farbig illustriert, sondern auch handschriftlich umgesetzt wurde. Die Verwandlung von schwarzen Buchstaben auf weißem Papier zu einem bunten Buch fasziniert mich ungemein.

Breakdance erzählt die Geschichte der vorpubertären Lena, die von ihrem kleinen Bruder Piefke mit auf den Jahrmarkt geschleppt wurde. Sie findet, ihrem Alter gemäß, alles scheiße und würde viel lieber zu Hause vor der Glotze chillen. Schließlich lässt sie ihren lahmen Bruder beim Kinderschminken zurück und erkundet die Kirmes auf eigene Faust. Sie trifft den Boy ihrer Träume, André, der sie mit coolen Sprüchen und einer affenstarken Lederjacke zu beeindrucken weiß. Er zeigt ihr, wie viel Spaß und Action auf dem Jarhmarkt zu erleben sind. Lena muss aufpassen, in all dem Tohuwabohu ihre Werte und Ansprüche nicht aus den Augen zu verlieren, denn auch bei André liegen Schein und Sein so weit auseinander wie in der Geisterbahn.

Obwohl weder Benno noch ich begeisterte (oder regelmäßige) Jahrmarktsbesucher sind, vielleicht auch gerade deswegen, war die Arbeit an dem Buch extrem bereichernd. Die Recherche führte uns durch die verschiedenen Attraktionen, das Leben der Schausteller und in die ausdrucksstarke Kunst der Rekommandage.

Obwohl Grafikstil und Ort des Geschehens auf eine Geschichte für Kinder hinweisen, ist BREAKDANCE ein Buch für jedes Alter, aber bestimmt nicht für jeden Geschmack. Überzeuge dich am besten selbst davon. Die erste Auflage ist auf 50 Stück limitiert und wird bei der Lesung am 7.2. verfügbar sein. Nur solange der Vorrat reicht.

Peace.

#26 Lesung am 7.2.2019

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Vorarbeiten zu „BREAKDANCE – Der abgefahrene Jahrmarkt“ (Skizzen von Benno)

Hallo Buddys,

Am 7.2.2019 ist es wieder so weit:

in der Desi zu Nürnberg veranstalten wir eine Lesung der neuesten Werke. Der Eintritt ist frei, um 19:00 Uhr geht es los. Bringt Freunde und Familien mit, the more the merrier.

Auf dem geplanten Programm steht zum Einen die Graphic Novel „BREAKDANCE – Der abgefahrene Jahrmarkt“, ein Gemeinschaftprojekt mit Illustrator/Designer Benno Gabler. Für mich ein ganz besonderes Projekt, da es meine erste komplett colorierte Arbeit ist.

Zum Anderen werde ich aus der Fantasygeschichte #2 „Rettung aus der Flasche“ vorlesen. Wir arbeiten auf Hochtouren daran, dass auch dieses Buch bis dahin fertig sein wird. Illustriet wird es, wie schon der erste Teil, von Siegfried Meier.

Dazu, wie gewohnt, Gedichte und Schnurren auf dem schmalen Grat zwischen Schund und Hochkultur, zwischen intellektuell und asozial, zwischen ‚hart an der Grenze‘ und ‚weit darüber hinaus‘.

Nähere Infos folgen in Kürze, so stay tuned und keep on truckin‘.

Peace.

#25 Free Buddy

joystickautomatMoinsen, servus, ciao,

in vier Tagen ganz genau,

rummelt’s heftig im Kamin,

so wie Kinder ohne Ritalin,

springt heraus und zwar ganz nackt,

der Santa Claus mit prallem Sack.

Schluss mit dem Schund, her mit dem Schund!

Zum dreijährigen Jubiläum von Buddy Ravage (und wegen Weihnachten?) gibt es Buddy Ravage – Ein Detektiv räumt auf  als ebook in der aktuellen Version zum gratis Download.

Spread the joy with balls of holly!

Danke für eure Treue und Begeisterung in den letzten drei Jahren. Wir hoffen, euch auch in Zukunft mit packenden Geschichten zu unterhalten.

Fall jemand auf den letzten Drücker noch Geschenke sucht, bei uns gibt es derzeit ‚Pileau‘, ‚Absturz in der Wüste‘ und ‚Buddy Ravage‘ in Taschenbuchform. Auf Wunsch rechtzeitig geliefert innerhalb Nürnbergs oder zur Selbstabholung im Kirschgarten.

Peace.

#24 Wortspiele & Sinnloses

Hallo Buddy,

für die kalten Tage vor dem warmen Heizkörper ein paar herbstliche Gedanken aus dem Frühling. Peace.

Aus verstopften Nasen rasen Tropfen, schlagen, klopfen auf den Rasen, hoffen stotternd auf gierigen Boden, der sie aufnimmt in sein endloses Reich. Der Regen wird Mitglied des Wasserkreislaufs, der aus Regen Regen macht und auf dem Weg dazwischen die Welt am Gedeihen hält.

‚Auf Gedeih und Verderb‘ wird der neue Wahlspruch der Partei, die seit Jahren in Umfragen auftaucht. Keiner liest die Ergebnisse, niemand schaut mehr Fernsehen. Wen interessiert die Kanzlerin, wenn jeder seine eigenen Stars und Meinungsmacher wählen kann? Ohne bürokratische Papierautobahnen aus Trümmerzeiten. Die Altgedienten haben ausgesorgt, die jungen Wilden überholen sie in einem Spiel, das niemand mehr versteht.

Zum ungezählten Male ergreift die göttliche Hand die Würfel und lässt sie auf den Karton knallen. Eine Drei und eine Sechs, damit sind uns noch weitere achtzehn Jahre im Paradies gegönnt. Das Universum ist ein Casino, ein Glücksspiel, in dem jeder mit dem gleichen Einsatz spielt und die Gewinne nach oben offen sind.

Du hast ein Leben und du kannst es so oder so verlieren. Doch was gibt es zu gewinnen? Zufriedenheit, Sicherheit, Gemütlichkeit? Trostpreise, sonst nichts. Mitleidserregende Wermutstropfen in einem Fass voll billigem Brandy. Es riecht verfault und gärt solange vor sich hin, dass nicht einmal die zittrigsten Schnapsdrosseln ihren Flug für diesen Schnaps drosseln.

Zwei Jugendliche kommen vorbei und erblicken die jämmerliche Plörre. Obwohl sich ihre gelangweilten Geister nach dem ersten festlichen Rausch sehnen, sehen sie davon ab, das gebotene Gesöff zu verköstigen. Der Geruch allein lässt sie erblinden, sodass sie Tage später mit gelben Armbinden und Sonnenbrillen Pennies am U-Bahnhof schnorren.

Das Leben nimmt mitunter abwechslungsreiche Pfade, wir sollten darauf achten, stets das passende Schuhwerk zu tragen, dann werden auch die Steine, die man uns in den Weg legt nur zu Hürden, an denen wir wachsen.

Der sportliche Wettkampf lässt uns aufblühen und bringt die höchsten Tugenden der menschlichen Rasse zum Vorschein. Im ehrlichen Wettstreit wachsen wir über uns hinaus, ohne den anderen in seinem Reichtum zu behindern.

Ich sage bewusst REICHTUM, da ich ein verkannter Schnösel bin, dessen eigene Tochter kein Wort mehr mit ihm spricht. Ich finde mich so abartig, dass ich seit 1996 nicht mehr in den Spiegel sehen kann. Meine Wohnung halte ich bewusst reflektionslos, meinen Charakter ebenso.

Ich wundere mich manchmal, wenn ich in den Teich meiner Nachbarin sehe und darin das Gesicht eines fremden Mannes erkenne, der zu ertrinken scheint. Er sieht aus, wie mein Vater in jungen Jahren, mit einem Hauch meiner Mutter in den Sinusnoten.

Das Leben ist eine Symphonie, die Noten hüpfen die Tonleitern auf und ab, schwingen sich vom Bassschlüssel zum hohen C! Hurra, mit welcher Freude lässt es sich doch leben, wenn man erst einmal erkannt hat, dass dies, Gott bewahre, unsere einzige Chance ist, an diesem wilden Zirkus teilzunehmen.

Und diese Chance können wir damit verbringen, uns auszumalen, was wir nicht haben, erleben könnten oder hätten werden können, wenn wir nicht unter so großer Versagensangst litten. Wenn unsere Gemütlichkeit nicht längst zu schmiedeeisernen Ketten geworden wäre, die uns mit unbarmherzigem Griff an die Couch fesseln.

Wir überlassen diesen Fesseln unser Schicksal, wir ergeben uns ihnen bereitwillig und schütten uns noch eine Handvoll Cracker in den Mund, bevor die nächste Staffel von irgendeiner Serie anfängt. Die Hausschuhe warten geduldig auf wärmende Füße, sie fühlen sich so leer und nutzlos, seit sie niemand mehr anzieht. Es ist Sommer und ihr Fell sorgt für schweißige Käsemauken, von denen Teenager, die nur Sneaker tragen, träumen.

Ich habe gestern beobachtet, wie sich ein fremder Mann in einem unbeobachteten Moment in der Nase bohrte. Er dachte, einen dicken Fisch an der Angel zu haben, doch als er den Fang an Land zog, erschrak er. Am Zeigefinger, eingeklemmt unter dem schwärzlichen Nagel, saß nicht die übliche Melange aus Nasenschleim und Luftverschmutzung. Es war ein kleines Wesen, dessen Oberfläche grünlich schimmerte. Der Mann hielt die seltsame Kreatur gegen das Licht, um diese, der Menschheit bis dato unbekannte, Spezies genauer zu untersuchen.

Nach einer halben Stunde eingehender Betrachtung und intensiven Studiums, unter Berücksichtigung der Meinungen umstehender Passanten, musste sich der Mann eingestehen, dass es sich bei seinem Fund doch nur um einen ordinären Popel handelt. Er wischt ihn enttäuscht an seiner Frau ab, die immer noch in das herabgesetzte Paar Schuhe vertieft ist, wegen dem sie vor einer halben Stunde mit den Worten „ach, schau doch mal, Schatz“ stehenblieb.

Der Mann ist ein moderner Mensch und daher stört es ihn, dass seine Gemahlin, durch Auswahl dieses ungewöhnlichen Ausschnittes ihres Lebens, auf einen Stereotyp reduziert wird. Er selbst instigierte nämlich den Bummel durch die Schaufensterpromenaden, da er ein großer Freund des Sehens und Gesehenwerdens ist.

Er trägt stets wechselnde, doch immerzu markante Outfits, die bisweilen seine Gattin an den Rand des Genierens treiben. Die eigenwilligen Kreationen reichen von Knickebocker mit Senf und Ketchup bis Lederstutzen mit Schlagsahne. Im Winter hält ein Eierwärmer seine Eier wärmer.

„Pileau“ – das 24 Stunden Buch

Hallo Buddies,Pileau Cover

wir haben unsere Drohung wahr werden lassen und haben ein Buch in 24 Stunden ausgedacht, geschrieben und illustriert. Das fertige Werk trägt den Namen ‚Pileau‘ und ist eine romantische Reisekomödie mit 90 Seiten.

Nähere Infos zum Inhalt des Buchs findest du hier. Falls dich interessiert, was wir geschafft haben, kannst du das Buch hier bestellen. Ab Anfang Mai haben wir auch Exemplare bei uns, also keine Sorge, falls du online-Bestellung zu unpersönlich findest.

In diesem Blogpost werde ich kurz über die Entstehung des Buchs schreiben, unser Vorgehen besprechen und zuletzt aufzeigen, was ich für die nächsten 24 Stunden Projekte gelernt habe.


1. Der Plan (6:30 Uhr – 7:30 Uhr)

Beim reichhaltigen Frühstück überlegten wir, welches Thema das Buch haben soll. Die erste Idee war, einen Piloten als Protagonisten zu wählen (, weil es die ‚Pilotfolge‘ ist). Obwohl keiner von uns über besondere Kenntnisse hinsichtlich Piloten, Flugzeugen oder Flughäfen verfügt, einigten wir uns kurzerhand darauf. Im Folgenden ist dieser Plan entstanden, auf dem ich versucht habe, die wichtigsten Eckpunkte des Konzepts festzuhalten.

plan

 

Ohne Erfahrungen, wie viele Seiten ich in 24 Stunden schreiben kann, habe ich mir 100 Seiten zum Ziel gesetzt. Dementsprechend findet sich (in der kleinen Grafik) die Seitenaufteilung für die einzelnen Kapitel der Geschichte mit den jeweiligen Orten an denen sie spielen.

Außerdem finden sich auf dem Plan die Hauptfiguren und ihre Charakter-eigenschaften.

Einige der Ideen sind natürlich am Ende nicht im Buch gelandet.


2. Die Fleißarbeit (7:30 – 00:30)

Durch die Festlegung des Themas ‚Flughafen‘ etc., konnte Meier direkt mit dem Zeichnen anfangen und uns mit diversen Ansichten versorgen, die man typischerweise an Flughäfen und in Flugzeugen findet. (ich war beeindruckt, dass jemand ein Flugzeug so aus dem Kopf zeichnen kann:)

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Für mich ging das Schreiben los. Ohne viel nachzudenken, schrieb ich, was mir in den Kopf kam und ließ dabei zu, dass sich die Szenen von selbst entwickeln. Immer, wenn mir nichts mehr für eine Szene einfiel, findet ein Wechsel statt, entweder zu anderen Figuren oder anderen Schauplätzen. Ich habe immer 5 Seiten am Stück geschrieben (anfangs ca. 40 Minuten pro 5 Normseiten) und dann eine kurze Pause eingelegt.

Da mir das Setting mehr oder weniger fremd war, entschloss ich mich, auch in einem Genre zu schreiben, an dem ich mich noch nie versucht habe. Eine leichtherzige Komödie mit Romantik und skurillen Figuren hat den Vorteil, dass der Plot weniger im Vordergrund steht (als z.B. bei einer ‚Detektiv klärt den komplizierten Mord auf‘-Geschichte) und viel Raum lässt, um schnell bizarre Situationen zu entwerfen und aufzulösen.

Allerdings war mir nur lustig und romantisch zu langweilig beim Schreiben, sodass ich mich entschied, noch ein paar ‚tiefsinnigere‘ Gedanken und Dialoge einzubauen. Dies war eingangs die Idee für den Ton des gesamten Buches, in der Praxis war es vielleicht meine heitere Stimmung an dem Tag, die für den viel leichtherzigeren Ton und Inhalt verantwortlich war. Wenn man schreibt, ohne nachzudenken, muss man wohl seinem Gefühl Ausdruck verleihen.

Nach 12 Stunden merkte ich, wie mein Leistungspensum deutlich abnahm. Die Zeilen flossen viel träger durch meine vom Tippen schweren Finger. In den ersten 12 Stunden habe ich 57 Seiten geschrieben, in den 4 Stunden danach nur noch 15. Nach 16 Stunden war die Geschichte in der Form, in der sie auch im fertigen Buch zu sehen ist. Es blieb noch Zeit, das Ganze einmal grob korrekturzulesen.


3. Reflektion

Was habe ich aus diesem Projekt gelernt?

-in 24 Stunden lässt sich ein Buch schreiben & illustrieren.

-16 Stunden sind für mich derzeit das Maximum, d.h. die folgenden Bücher werde ich auf diese Länge auslegen (also: 60-70 Normseiten).

-2 Energy Drinks am Tag sind zu krass für meinen Organismus, ein Rockstar + Coke muss beim nächsten Mal genügen.

-der Ideenfluss war weniger hinderlich als die körperliche Konstitution. Um längere Bücher in 24 Stunden zu schreiben, muss ich fitter werden.


Es war insgesamt ein beflügelndes Projekt und ich bin gespannt darauf, die ersten Exemplare bald in den Händen zu halten. Wir werden die 24 H Serie bald fortsetzen und ich bin gespannt, was noch dabei herauskommt. Ich habe mir auch überlegt, beim nächsten Mal einen Livestream einzurichten, sodass ihr mir beim Tippen auf die Finger (und aufs Blatt) schauen könnt.

Peace.

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