#29 Das Land der leuchtenden Hände. 1. Teil

Nur noch hundert Meter bis zur Grenze. Darf mich nicht umdrehen, sonst erwischt er mich noch. Er darf die Grenze nicht passieren, er muss sich an das Gesetz halten. Zumindest an dieses eine. Seine Hand greift nach mir, eine flinke Bewegung genügt, um ihr zu entgehen. Ich kann die andere Seite nicht erkennen, das Jenseits liegt hinter der spiegelnden Scheibe verborgen. Noch zwanzig Schritte, mehr können es unmöglich sein, mehr kann ich unmöglich schaffen.
Das Keuchen meines Verfolgers wird lauter, mischt sich mit dem Pfeifen meiner Lunge, der Sprint setzt uns beiden zu, meine Ausdauer schöpft sich allein aus der Todesangst. Meine Finger berühren die Grenze, fließen hindurch und verschwinden hinter ihr, der restliche Körper wird vom Sog erfasst und mitgerissen.
Kaum erreiche ich die andere Seite, geben die erschöpften Beine nach, ich sinke auf die Knie, spucke Blut auf den metallischen Boden.
„Wir haben es geschafft“, spricht die Stimmer auf meiner Schulter, „wir haben ihn abgehängt.“
Unfähig, mich zu erheben, wische ich mir den salzigen Schweiß ab, der in den Augen brennt. Meine Vermutungen waren zutreffend, der Wächter konnte mir nicht folgen, er bremste kurz vor der Grenze scharf ab und verschwindet hinter ihr aus dem Gedächtnis. Langsam begreife ich, welches Opfer meine Flucht forderte, die Rückkehr ist von nun an ausgeschlossen. Alles, was hinter mir liegt, gehört nunmehr der Vergangenheit an, der toten, nie wiederkehrenden Vergangenheit.
Vor mir erstreckt sich das Reich der leuchtenden Hände. Ein stumpf grauer Monolith wächst aus den endlosen Tiefen des Nichts bis hoch in den Himmel, über ihn hinaus, bis zur gleißenden Sonne, aus der er einst seine Macht schöpfte. Um diesen mächtigen Wolkenkratzer winden sich stählerne Treppen in einer aufsteigenden Spirale. Die fernen Stufen und Etagen wirken wie ein feines, dunkles Netz, dass den farblosen Monolithen marmoriert.
Langsam erhebe ich mich, doch die Ehrfurcht vor diesem unmenschlichen Bauwerk lähmt mich in erhabenem Staunen. Auf den Treppen tummeln sich die Bewohner dieser mechanischen Welt, sie laufen geschäftig dem Leuchten in ihren Handflächen nach, die Köpfe geneigt, gebannt von dem grellen Licht, das ihnen den Weg weist, dem sie hörig bis in den Tod folgen. Ihre geblendeten Augen sind taub für die Außenwelt geworden, die leuchtenden Hände sind ihre einzigen Anhaltspunkte, ihre Wegweiser in diesem unüberschaubaren Chaos.
Mit einiger Mühe schaffe ich es, mich in Bewegung zu setzen und mich dem Fuß der Treppen zu nähern. Immer wieder fließen die Bewohner an mir vorüber, beachten mich nicht, nehmen mich wahrscheinlich nicht einmal als Eindringling wahr, sie sind es lediglich gewohnt, der Körperwärme anderer Lebewesen auszuweichen. Ihre Kleider wirken edel auf mich, der in zerrissene Lumpen gehüllt als Außenseiter unverkennbar ist. Sie sprechen nicht, weder mit mir, noch untereinander, laufen, laufen immer voran, dem blendenden Schein ihrer Hände hinterher.
„Wir müssen hinauf“, befiehlt die Stimme auf meiner Schulter, „ganz nach oben! Wohin denn sonst?“
Hinauf? Hinauf bis zur Sonne? Ich versuche, den Kopf in den Nacken zu legen, doch in diesem Land schaut niemand nach oben. Kaum überschreitet mein Blick den Horizont, befällt mich ein stechender Schmerz, der sich als Krampf vom Schädel über das Rückenmark herab fortsetzt. Unwillkürlich setzt sich mein Bewegungsapparat in Gang, versucht mit den Einheimischen Schritt zu halten, sich einzureihen, um unauffällig in ihrer Masse zu verschwinden, um langsam die unzähligen Stufen nach oben zu bewältigen. Nach oben, bis hinauf zur Sonne.
Die Treppen sind aus scharfkantigen Stahlgittern gefertigt, deren Muster sich in blutigen Linien an meinen nackten Sohlen abzeichnet. Durch die feinen Löcher im Boden kann ich nach unten sehen, doch auch dort gibt es nichts zu erkennen, woraus sich Mut schöpfen ließe. Ich presse die Nase an die Außenwand des Monolithen, um zu erkennen, was darin vor sich geht. Zunächst hielt ich ihn für massiv, doch wenn die Augen die glanzlose Oberfläche überwunden haben, lässt sich das ausgehöhlte Innenleben bewundern.
Die Einheimischen darin sitzen unbewegt vor gläsernen Monitoren, die ihnen in rasanter Geschwindigkeit Bilderfolgen aufzeigen. Hin und wieder strecken sie ihre Hände aus, drücken oder wischen über die stumpfen Glasflächen, in verzweifelten Versuchen, ihres immateriellen Inhalts habhaft zu werden. Mein Atem kondensiert an den Wänden des Monolithen, hinterlässt neblige Abdrücke des Lebens, das mit jeder zeitlosen Sekunde aus mir strömt.

#28 Hamburg meine Perle

Hallo Buddy,

Seit dem letzten Post ist einige Zeit ins Land gestrichen wie ein Couchsurfer. Ungezogen & umgezogen ließ ich die altehrwürdigen Mauern Nürnbergs hinter mir und genieße nunmehr die steife Brise in der freien Hansestadt Hamburg.

Derzeit recherchiere ich Science-fiction Literatur und technophilosophische Aufsätze über die Beziehung zwischen Mensch und Maschine sowie deren Kommunikationsprobleme. Das Projekt, welches mich dazu motiviert, ist der dritte Teil der Fantasygeschichte. Ich hoffe, dass in dem Fallout dieser Recherchen auch einige kürzere Sci-fi Stories herauskommen, in denen ich Ideen behandle, welche keinen Platz in DFG#3 finden. Zudem arbeite ich an einer Zusammenstellung ausgewählter Gedichte in einem Band, dessen Form sich meiner Vorstellungskraft derzeit noch entzieht.


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Der Dichter bei der Arbeit

Um die Qualität der Literatur stetig zu steigern, habe ich mich entschlossen, das Studium der Philosophie weiterzuführen. Zum Dr. Bilderberg ist es noch ein weiter Weg, doch hoffe ich, dass meine Bemühungen den intellektuellen Anspruch kommender Publikationen erhöhen.

Außerdem habe ich ein weiteres Hobby zum Beruf gemacht, indem ich nunmehr Scherzartikel und Jonglierbedarf in einem entsprechenden Geschäft verkaufe. Schließlich erfordert eines meiner Seminare die Erbringung von 50 Sozialstunden, sodass ich alle Hände voll zu tun habe. Erfreulicherweise bereiten mir all diese unterschiedlichen Aufgaben Freude.


Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, auf dass du deine Träume verwirklichst!

Sei stolz und bescheiden

Johann Bilderberg

#27 Kunterbunte Kirmes

Hallo Buddy,

Auf der Lesung am 7.2. stellen wir unter anderem die Graphic Novel „BREAKDANCE – Der abgefahrene Jahrmarkt“ vor. Das Projekt entstand in gemeinsamer Arbeit mit dem Illustrator/Designer Benno Gabler.

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Ich bin besonders auf das fertige Ergebnis gespannt, da es das erste Mal ist, dass ein Text von mir nicht nur farbig illustriert, sondern auch handschriftlich umgesetzt wurde. Die Verwandlung von schwarzen Buchstaben auf weißem Papier zu einem bunten Buch fasziniert mich ungemein.

Breakdance erzählt die Geschichte der vorpubertären Lena, die von ihrem kleinen Bruder Piefke mit auf den Jahrmarkt geschleppt wurde. Sie findet, ihrem Alter gemäß, alles scheiße und würde viel lieber zu Hause vor der Glotze chillen. Schließlich lässt sie ihren lahmen Bruder beim Kinderschminken zurück und erkundet die Kirmes auf eigene Faust. Sie trifft den Boy ihrer Träume, André, der sie mit coolen Sprüchen und einer affenstarken Lederjacke zu beeindrucken weiß. Er zeigt ihr, wie viel Spaß und Action auf dem Jarhmarkt zu erleben sind. Lena muss aufpassen, in all dem Tohuwabohu ihre Werte und Ansprüche nicht aus den Augen zu verlieren, denn auch bei André liegen Schein und Sein so weit auseinander wie in der Geisterbahn.

Obwohl weder Benno noch ich begeisterte (oder regelmäßige) Jahrmarktsbesucher sind, vielleicht auch gerade deswegen, war die Arbeit an dem Buch extrem bereichernd. Die Recherche führte uns durch die verschiedenen Attraktionen, das Leben der Schausteller und in die ausdrucksstarke Kunst der Rekommandage.

Obwohl Grafikstil und Ort des Geschehens auf eine Geschichte für Kinder hinweisen, ist BREAKDANCE ein Buch für jedes Alter, aber bestimmt nicht für jeden Geschmack. Überzeuge dich am besten selbst davon. Die erste Auflage ist auf 50 Stück limitiert und wird bei der Lesung am 7.2. verfügbar sein. Nur solange der Vorrat reicht.

Peace.

#26 Lesung am 7.2.2019

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Vorarbeiten zu „BREAKDANCE – Der abgefahrene Jahrmarkt“ (Skizzen von Benno)

Hallo Buddys,

Am 7.2.2019 ist es wieder so weit:

in der Desi zu Nürnberg veranstalten wir eine Lesung der neuesten Werke. Der Eintritt ist frei, um 19:00 Uhr geht es los. Bringt Freunde und Familien mit, the more the merrier.

Auf dem geplanten Programm steht zum Einen die Graphic Novel „BREAKDANCE – Der abgefahrene Jahrmarkt“, ein Gemeinschaftprojekt mit Illustrator/Designer Benno Gabler. Für mich ein ganz besonderes Projekt, da es meine erste komplett colorierte Arbeit ist.

Zum Anderen werde ich aus der Fantasygeschichte #2 „Rettung aus der Flasche“ vorlesen. Wir arbeiten auf Hochtouren daran, dass auch dieses Buch bis dahin fertig sein wird. Illustriet wird es, wie schon der erste Teil, von Siegfried Meier.

Dazu, wie gewohnt, Gedichte und Schnurren auf dem schmalen Grat zwischen Schund und Hochkultur, zwischen intellektuell und asozial, zwischen ‚hart an der Grenze‘ und ‚weit darüber hinaus‘.

Nähere Infos folgen in Kürze, so stay tuned und keep on truckin‘.

Peace.

#25 Free Buddy

joystickautomatMoinsen, servus, ciao,

in vier Tagen ganz genau,

rummelt’s heftig im Kamin,

so wie Kinder ohne Ritalin,

springt heraus und zwar ganz nackt,

der Santa Claus mit prallem Sack.

Schluss mit dem Schund, her mit dem Schund!

Zum dreijährigen Jubiläum von Buddy Ravage (und wegen Weihnachten?) gibt es Buddy Ravage – Ein Detektiv räumt auf  als ebook in der aktuellen Version zum gratis Download.

Spread the joy with balls of holly!

Danke für eure Treue und Begeisterung in den letzten drei Jahren. Wir hoffen, euch auch in Zukunft mit packenden Geschichten zu unterhalten.

Fall jemand auf den letzten Drücker noch Geschenke sucht, bei uns gibt es derzeit ‚Pileau‘, ‚Absturz in der Wüste‘ und ‚Buddy Ravage‘ in Taschenbuchform. Auf Wunsch rechtzeitig geliefert innerhalb Nürnbergs oder zur Selbstabholung im Kirschgarten.

Peace.

#24 Wortspiele & Sinnloses

Hallo Buddy,

für die kalten Tage vor dem warmen Heizkörper ein paar herbstliche Gedanken aus dem Frühling. Peace.

Aus verstopften Nasen rasen Tropfen, schlagen, klopfen auf den Rasen, hoffen stotternd auf gierigen Boden, der sie aufnimmt in sein endloses Reich. Der Regen wird Mitglied des Wasserkreislaufs, der aus Regen Regen macht und auf dem Weg dazwischen die Welt am Gedeihen hält.

‚Auf Gedeih und Verderb‘ wird der neue Wahlspruch der Partei, die seit Jahren in Umfragen auftaucht. Keiner liest die Ergebnisse, niemand schaut mehr Fernsehen. Wen interessiert die Kanzlerin, wenn jeder seine eigenen Stars und Meinungsmacher wählen kann? Ohne bürokratische Papierautobahnen aus Trümmerzeiten. Die Altgedienten haben ausgesorgt, die jungen Wilden überholen sie in einem Spiel, das niemand mehr versteht.

Zum ungezählten Male ergreift die göttliche Hand die Würfel und lässt sie auf den Karton knallen. Eine Drei und eine Sechs, damit sind uns noch weitere achtzehn Jahre im Paradies gegönnt. Das Universum ist ein Casino, ein Glücksspiel, in dem jeder mit dem gleichen Einsatz spielt und die Gewinne nach oben offen sind.

Du hast ein Leben und du kannst es so oder so verlieren. Doch was gibt es zu gewinnen? Zufriedenheit, Sicherheit, Gemütlichkeit? Trostpreise, sonst nichts. Mitleidserregende Wermutstropfen in einem Fass voll billigem Brandy. Es riecht verfault und gärt solange vor sich hin, dass nicht einmal die zittrigsten Schnapsdrosseln ihren Flug für diesen Schnaps drosseln.

Zwei Jugendliche kommen vorbei und erblicken die jämmerliche Plörre. Obwohl sich ihre gelangweilten Geister nach dem ersten festlichen Rausch sehnen, sehen sie davon ab, das gebotene Gesöff zu verköstigen. Der Geruch allein lässt sie erblinden, sodass sie Tage später mit gelben Armbinden und Sonnenbrillen Pennies am U-Bahnhof schnorren.

Das Leben nimmt mitunter abwechslungsreiche Pfade, wir sollten darauf achten, stets das passende Schuhwerk zu tragen, dann werden auch die Steine, die man uns in den Weg legt nur zu Hürden, an denen wir wachsen.

Der sportliche Wettkampf lässt uns aufblühen und bringt die höchsten Tugenden der menschlichen Rasse zum Vorschein. Im ehrlichen Wettstreit wachsen wir über uns hinaus, ohne den anderen in seinem Reichtum zu behindern.

Ich sage bewusst REICHTUM, da ich ein verkannter Schnösel bin, dessen eigene Tochter kein Wort mehr mit ihm spricht. Ich finde mich so abartig, dass ich seit 1996 nicht mehr in den Spiegel sehen kann. Meine Wohnung halte ich bewusst reflektionslos, meinen Charakter ebenso.

Ich wundere mich manchmal, wenn ich in den Teich meiner Nachbarin sehe und darin das Gesicht eines fremden Mannes erkenne, der zu ertrinken scheint. Er sieht aus, wie mein Vater in jungen Jahren, mit einem Hauch meiner Mutter in den Sinusnoten.

Das Leben ist eine Symphonie, die Noten hüpfen die Tonleitern auf und ab, schwingen sich vom Bassschlüssel zum hohen C! Hurra, mit welcher Freude lässt es sich doch leben, wenn man erst einmal erkannt hat, dass dies, Gott bewahre, unsere einzige Chance ist, an diesem wilden Zirkus teilzunehmen.

Und diese Chance können wir damit verbringen, uns auszumalen, was wir nicht haben, erleben könnten oder hätten werden können, wenn wir nicht unter so großer Versagensangst litten. Wenn unsere Gemütlichkeit nicht längst zu schmiedeeisernen Ketten geworden wäre, die uns mit unbarmherzigem Griff an die Couch fesseln.

Wir überlassen diesen Fesseln unser Schicksal, wir ergeben uns ihnen bereitwillig und schütten uns noch eine Handvoll Cracker in den Mund, bevor die nächste Staffel von irgendeiner Serie anfängt. Die Hausschuhe warten geduldig auf wärmende Füße, sie fühlen sich so leer und nutzlos, seit sie niemand mehr anzieht. Es ist Sommer und ihr Fell sorgt für schweißige Käsemauken, von denen Teenager, die nur Sneaker tragen, träumen.

Ich habe gestern beobachtet, wie sich ein fremder Mann in einem unbeobachteten Moment in der Nase bohrte. Er dachte, einen dicken Fisch an der Angel zu haben, doch als er den Fang an Land zog, erschrak er. Am Zeigefinger, eingeklemmt unter dem schwärzlichen Nagel, saß nicht die übliche Melange aus Nasenschleim und Luftverschmutzung. Es war ein kleines Wesen, dessen Oberfläche grünlich schimmerte. Der Mann hielt die seltsame Kreatur gegen das Licht, um diese, der Menschheit bis dato unbekannte, Spezies genauer zu untersuchen.

Nach einer halben Stunde eingehender Betrachtung und intensiven Studiums, unter Berücksichtigung der Meinungen umstehender Passanten, musste sich der Mann eingestehen, dass es sich bei seinem Fund doch nur um einen ordinären Popel handelt. Er wischt ihn enttäuscht an seiner Frau ab, die immer noch in das herabgesetzte Paar Schuhe vertieft ist, wegen dem sie vor einer halben Stunde mit den Worten „ach, schau doch mal, Schatz“ stehenblieb.

Der Mann ist ein moderner Mensch und daher stört es ihn, dass seine Gemahlin, durch Auswahl dieses ungewöhnlichen Ausschnittes ihres Lebens, auf einen Stereotyp reduziert wird. Er selbst instigierte nämlich den Bummel durch die Schaufensterpromenaden, da er ein großer Freund des Sehens und Gesehenwerdens ist.

Er trägt stets wechselnde, doch immerzu markante Outfits, die bisweilen seine Gattin an den Rand des Genierens treiben. Die eigenwilligen Kreationen reichen von Knickebocker mit Senf und Ketchup bis Lederstutzen mit Schlagsahne. Im Winter hält ein Eierwärmer seine Eier wärmer.

„Pileau“ – das 24 Stunden Buch

Hallo Buddies,Pileau Cover

wir haben unsere Drohung wahr werden lassen und haben ein Buch in 24 Stunden ausgedacht, geschrieben und illustriert. Das fertige Werk trägt den Namen ‚Pileau‘ und ist eine romantische Reisekomödie mit 90 Seiten.

Nähere Infos zum Inhalt des Buchs findest du hier. Falls dich interessiert, was wir geschafft haben, kannst du das Buch hier bestellen. Ab Anfang Mai haben wir auch Exemplare bei uns, also keine Sorge, falls du online-Bestellung zu unpersönlich findest.

In diesem Blogpost werde ich kurz über die Entstehung des Buchs schreiben, unser Vorgehen besprechen und zuletzt aufzeigen, was ich für die nächsten 24 Stunden Projekte gelernt habe.


1. Der Plan (6:30 Uhr – 7:30 Uhr)

Beim reichhaltigen Frühstück überlegten wir, welches Thema das Buch haben soll. Die erste Idee war, einen Piloten als Protagonisten zu wählen (, weil es die ‚Pilotfolge‘ ist). Obwohl keiner von uns über besondere Kenntnisse hinsichtlich Piloten, Flugzeugen oder Flughäfen verfügt, einigten wir uns kurzerhand darauf. Im Folgenden ist dieser Plan entstanden, auf dem ich versucht habe, die wichtigsten Eckpunkte des Konzepts festzuhalten.

plan

 

Ohne Erfahrungen, wie viele Seiten ich in 24 Stunden schreiben kann, habe ich mir 100 Seiten zum Ziel gesetzt. Dementsprechend findet sich (in der kleinen Grafik) die Seitenaufteilung für die einzelnen Kapitel der Geschichte mit den jeweiligen Orten an denen sie spielen.

Außerdem finden sich auf dem Plan die Hauptfiguren und ihre Charakter-eigenschaften.

Einige der Ideen sind natürlich am Ende nicht im Buch gelandet.


2. Die Fleißarbeit (7:30 – 00:30)

Durch die Festlegung des Themas ‚Flughafen‘ etc., konnte Meier direkt mit dem Zeichnen anfangen und uns mit diversen Ansichten versorgen, die man typischerweise an Flughäfen und in Flugzeugen findet. (ich war beeindruckt, dass jemand ein Flugzeug so aus dem Kopf zeichnen kann:)

flugzeugstartplatz

Für mich ging das Schreiben los. Ohne viel nachzudenken, schrieb ich, was mir in den Kopf kam und ließ dabei zu, dass sich die Szenen von selbst entwickeln. Immer, wenn mir nichts mehr für eine Szene einfiel, findet ein Wechsel statt, entweder zu anderen Figuren oder anderen Schauplätzen. Ich habe immer 5 Seiten am Stück geschrieben (anfangs ca. 40 Minuten pro 5 Normseiten) und dann eine kurze Pause eingelegt.

Da mir das Setting mehr oder weniger fremd war, entschloss ich mich, auch in einem Genre zu schreiben, an dem ich mich noch nie versucht habe. Eine leichtherzige Komödie mit Romantik und skurillen Figuren hat den Vorteil, dass der Plot weniger im Vordergrund steht (als z.B. bei einer ‚Detektiv klärt den komplizierten Mord auf‘-Geschichte) und viel Raum lässt, um schnell bizarre Situationen zu entwerfen und aufzulösen.

Allerdings war mir nur lustig und romantisch zu langweilig beim Schreiben, sodass ich mich entschied, noch ein paar ‚tiefsinnigere‘ Gedanken und Dialoge einzubauen. Dies war eingangs die Idee für den Ton des gesamten Buches, in der Praxis war es vielleicht meine heitere Stimmung an dem Tag, die für den viel leichtherzigeren Ton und Inhalt verantwortlich war. Wenn man schreibt, ohne nachzudenken, muss man wohl seinem Gefühl Ausdruck verleihen.

Nach 12 Stunden merkte ich, wie mein Leistungspensum deutlich abnahm. Die Zeilen flossen viel träger durch meine vom Tippen schweren Finger. In den ersten 12 Stunden habe ich 57 Seiten geschrieben, in den 4 Stunden danach nur noch 15. Nach 16 Stunden war die Geschichte in der Form, in der sie auch im fertigen Buch zu sehen ist. Es blieb noch Zeit, das Ganze einmal grob korrekturzulesen.


3. Reflektion

Was habe ich aus diesem Projekt gelernt?

-in 24 Stunden lässt sich ein Buch schreiben & illustrieren.

-16 Stunden sind für mich derzeit das Maximum, d.h. die folgenden Bücher werde ich auf diese Länge auslegen (also: 60-70 Normseiten).

-2 Energy Drinks am Tag sind zu krass für meinen Organismus, ein Rockstar + Coke muss beim nächsten Mal genügen.

-der Ideenfluss war weniger hinderlich als die körperliche Konstitution. Um längere Bücher in 24 Stunden zu schreiben, muss ich fitter werden.


Es war insgesamt ein beflügelndes Projekt und ich bin gespannt darauf, die ersten Exemplare bald in den Händen zu halten. Wir werden die 24 H Serie bald fortsetzen und ich bin gespannt, was noch dabei herauskommt. Ich habe mir auch überlegt, beim nächsten Mal einen Livestream einzurichten, sodass ihr mir beim Tippen auf die Finger (und aufs Blatt) schauen könnt.

Peace.

panorama

Schnellschreiben

Hallo Buddies,

die Lesung in der Desi liegt hinter uns und mir war es eine große Ehre, euch vorzulesen. Weitere Veranstaltungen dieser Art sind in Planung. Vielen Dank an die zahlreichen Besucher und Helfer.

lesungpublikum


Zur Zeit bereite ich mich auf meinen Part in einem Projekt vor. Wir werden ein illustriertes Buch produzieren, von der ersten Idee, den ersten Skizzen, bis zu dem fertigen Manuskript. Und damit das Ganze auch spannend ist, haben wir dafür nur 24 Stunden. Wir möchten herausfinden und zeigen, was alles an einem Tag machbar ist, wenn man zusammenarbeitet und mit Leidenschaft dabei ist.

Meine Aufgabe ist dabei klar:

Ich muss ein ganzes Buch (100+ Seiten) an einem Tag (24 Stunden) schreiben.

Da es mir unmöglich scheint, in dieser Zeit einen umfassenden Plan der Geschichte anzulegen, mit Figurenkonstellationen und allem Pipapo, werde ich mir den größten Teil der Geschichte ausdenken, während ich sie schreibe. Der Fokus liegt natürlich auf der Qualität des Geschriebenen, aber um ehrlich zu sein, packt die Quantität meinen sportlichen Ehrgeiz.

Die Frage ist nur, was kann ich tun, wenn mir nichts einfällt? Die Antwort darauf ist: weiterschreiben. Die moderne Computertechnik ermöglicht es, im Nachhinein Texte zu bearbeiten, ohne großen Aufwand. Wenn ein Absatz Mist ist, weil mir gerade nichts Geistreiches im Kopf herumschwirrte, lässt er sich später löschen oder verbessern. Aber sobald man den Schreibfluss unterbricht, gibt man der ‚Blockade‘ überhaupt erst Raum zur Entfaltung. Ich versuche, zu schreiben, was mir durch den Kopf geht, nicht das, worüber ich nachdenken muss. Wenn sich tatsächlich einmal gar nichts zwischen den Ohren abspielt, weil alles herausgelassen scheint: schließe die Augen für einen Moment und öffne die Sinne. Gerüche, Geräusche, ein Gefühl am Körper, sie alle können starke Erinnerungen auslösen, die, auch wenn sie nur kurz vorbeihuschen, neue Startpunkte für Ideen und Assoziationen bieten und eine Rückkehr in den Schreibfluss ermöglichen.

Um das spontane Schreiben auf Zeit zu üben, braucht man nur eine Stoppuhr. Jeden Tag nehme ich mir so viel Zeit, wie ich übrig habe, stelle sie auf der Stoppuhr ein und schreibe drauflos. Nach einigen Versuchen entwickelt man ein Gefühl dafür, wie viel Inhalt man etwa in einer bestimmten Zeit schreiben kann. Das ist nützlich, da solche Geschichten sonst oftmals dazu neigen, an ungünstiger Stelle zu enden. Wenn die Uhr piept und ich noch zwei Absätze schreiben müsste, um die Geschichte abzuschließen, fühle ich mich manchmal wie früher während Mathearbeiten. Weiß man allerdings, dass man z.B. in 30 Minuten etwa 4 Normseiten schafft, kann man den Spannungsbogen der Geschichte anhand der Seitenzahl während des Schreibens überprüfen.

So viel zu meinen Theorien für heute. Hier ist ein druckfrisches Beispiel, heute entstanden in 27 Minuten ausgedacht und getippt.


Mamalade

Der Deckel klemmt, daran bestand kein Zweifel. Muddi hatte bereits die Ärmel ihrer einfarbigen Schürze hochgekrempelt, doch selbst unter Schweißausbrüchen blieb es ihr unvergönnt, an die köstliche Konfitüre im Inneren des Glases zu gelangen. Sie benötigte eben diesen Fruchtaufstrich, da sie doch die Nachbarn zum Kaffee eingeladen hatte und sie zu diesem besonderen Anlass ihre beste Torte präsentieren wollte.

Die Sahne stand steif geschlagen im Kühlschrank, der Mürbeteig für den Boden hatte eine hervorragende Dichte, luftig, doch nicht zu blähend. Das einzig fehlende Glied in der Kette zum perfekten Dessert war lediglich die exquisite Aprikosenkonfitüre, für die sie letztes Jahr extra nach Sizilien gereist war.

Am Fuße des Etna in einem entlegenen Tal fand sie den preisgekrönten Aprikosenbaum von Marco Poticelli. Herr Poticelli war vor der Gesellschaft geflohen, er lebte als irrer Einsiedler seit vielen Jahrzehnten jenseits der Zivilisation. Seine Aprikosen waren, vielleicht gerade deswegen, die besten der Welt. Nur ihrer Höflichkeit und ihren Grundkenntnissen in Italienisch war es zu verdanken, dass Muddi drei der kostbaren Früchte mitnehmen durfte. Und das war gerade genug, für dieses eine Glas Marmelade, dessen verdammter Deckel sich partout nicht öffnen lässt!

Die Stimme der Mudder hallte durch das Treppenhaus. Ihr dreizehnjähriger Sohn war in eine Runde Battlefield vertieft und hörte sie nicht, da er obszöne Rapmusik auf den Kopfhörern laufen hat. Erst beim dritten Rufen der Mutter, bei dem sie zum ersten Mal Repressionen bei weiterer Ignoranz androhte, drang ihre süße Stimme auf wundersame Weise zu ihrem Sprössling durch. Er unterbrach mit englischen Flüchen seine Session, nahm einen Schluck Monster Energy und fühlte sich zu allem bereit.

In der Küche angelangt, zeigte sich seine Genervtheit durch trotziges Verhalten. Er lachte die Mudder aus, als sie ihm offenbarte, dass sich der Deckel des Glases ihrer Muskelkraft widersetzte. Der Teenager trocknete seine Hände an einem Geschirrhandtuch, spuckte sich in die Finger, wie es die echten Kerle in den Hollywoodfilmen machen. In seinem Ohr hörte er Eye of the Tiger. Leider reichten in der Realität die sparsamen Liegestütz, die er alle paar Wochen absolvierte, wenn ihm die Handgelenke vom Zocken und Wichsen brannten, bei weitem nicht aus, um der Situation Herr zu werden. Er drückte und drehte, rutschte ab und fluchte, die Mudder fühlte sich insgeheim ein wenig besser, nach außen hielt sie allerdings tapfer die besorgte Miene zum lustigen Spiel. „Ach, mein Sohn!“, stöhnte sie, um ihn anzufeuern, doch in seinem Ohr krähte Häme aus ihren Worten. Zeitlebens war er dem Spott seiner Altersgenossen ausgeliefert, die sich über seinen fragilen Körper belustigten. Und nun auch noch die eigene Mutter! Ihm kullerte eine Träne über die Wange, die vom wachsamen mütterlichen Auge nicht unbemerkt blieb. Sie schloss ihren einzigen Nachkommen in die Arme und versetzte ihn in die naive Fröhlichkeit seiner frühen Kindheit zurück. Das Marmeladenglas öffnete sich dadurch aber auch nicht weiter und so musste die Muddi ihren Spätentwickler unsanft auf die eigenen Füße stellen, damit sie ihre eigenen Angelegenheiten verfolgen konnte. Die Uhr sagte schon halb zwei, um vier kommen die Gäste!

In der Not frisst der Teufel Fliegen. Zwar war es der starken Frau und Mutter zuwider (sie arbeitete zwei Jobs und erzog ihren Sohn alleine!), doch in diesem Augenblick wusste sie sich keinen anderen Ausweg, als ihren fehlverstandenen Feminismus herunterzuschlucken und bei Herrn Müller von nebenan zu klingeln. Er öffnete in Boxershorts und Bademantel, weiße Socken, Adiletten, Brusthaar, gestopfte Kippe im Mundwinkel. „Moin“, sagte er.

Seine Nachbarin präsentiert ihm das Corpus Delikti. Er zückte seine Lesebrille, die an einer goldenen Kette um seinen Hals baumelte und prüfte das Glas eingehend. „Klassischer Schraubverschluss“, murmelte er vor sich hin, während er in das Wohnzimmer ging. Der Teppich war dick und der Tisch gefliest, darauf lag eine 1. FC Nürnberg Fahne als Decke. Er setzte sich auf die Couch, die deutlich Spuren von Abnutzung in Hinternform trug. ER steckte sich noch eine Kippe an, nahm einen Schluck Zirndorfer und kramte eine Zange hervor, die unter einer Fernsehzeitschrift auf dem Tisch lag. „Hebelkraft“, sagte er und strahlte selbstzufrieden. Ein leichter Ruck an der Zange und Plopp! das Glas ging auf. So zumindest in der Theorie, doch diese neigt dazu in der Praxis grau zu bleiben. Der Kopf von Herrn Müller schwoll auf doppelte Größe an, rot wie eine Ampel, Schweiß lief über den Schnurrbart, die Brusthaare stellten sich auf, das im Knast gestochene Kugelschreibertattoo auf dem Arm pumpte in schwächer werdenden Zyklen. Er gab auf. Den Raum füllte ein fieser Schweißgeruch, der alle anwesenden Damen in kurzer Zeit nötigte, das Appartement zu verlassen.

So stand Muddi abermals im Treppenhaus, mit ihrem Marmeladenglas, das keiner aufbekam. Jetzt war es sowieso zu spät, dachte sie nach einem Blick auf die Uhr. In einer halben Stunde kamen die Gäste und ohne ein Wunder bekam keiner diese vermaledeite Marmelade.

Die Uhr schlug vier. Mit der Pünktlichkeit peinlicher Pedanten standen alle Nachbarn in festlicher Garderobe auf der Fußmatte. „Willkommen! Alles hereinspaziert! Schön, dass ihr da seid!“ Die Floskeln waren ebenso austauschbar, wie die Gesichter der Gäste. Über erlesenem Kaffee aus Übersee und feinen Plätzchen mit Edelbitter Schokolade wurde geschwatzt, getratscht und geplaudert, was die Dritten hergaben. Es wurde auch mal gelacht, so ist das nicht, Spaß haben die meisten von ihnen nicht nur im Keller. Das Highlight des nachmittäglichen Treffens, und das war allen bewusst, sollte allerdings die Torte sein. Das gegenseitige Einladen der Nachbarschaft wurde hier zum Wettkampf, zum sportlichen Ereignis, erhoben und die Damen der Haushalte versuchten sich stets gegenseitig zu übertrumpfen, mit noch fantastischeren Tortenkreationen und noch fremdländischeren Kaffeesorten.

Als Muddi ihre Torte servierte, waren alle aus dem Häuschen. Sie applaudierten und jubelten, das Wasser lief ihnen im Mund zusammen. Der stolze Sohn im Konfirmationsanzug durfte anschneiden, was für eine Ehre in seinem noch so jungen Leben. Er servierte jedem Gast ein Stück, sich selbst zuletzt, dann seiner Mutter. Alle sahen sich zufrieden an, wünschten sich einen guten Appetit und schaufelten gierig Torte in sich hinein. Der Sohn wollte sich auch in das Prachtstück vertiefen, doch seine Mutter hielt ihn zurück. Er schaute sie an und fragte: „Wie hast du das Glas eigentlich aufbekommen?“


Nach dem Schreiben rechne ich die Statistik aus (in MS Word: Überprüfen->Wörter zählen), um zu überprüfen, wie Tippgeschwindigkeit und Textqualität (subjektive Einschätzug) zusammenhängen. Es ist auch motivierend, zu sehen, wie man sich verbessert. Und wenn ein Schriftsteller von etwas nie genug haben kann, dann ist das Geld (und Motivation).

6599 Zeichen in

27 Minuten,

244,4 Zeichen pro Minute,

4,07 Zeichen pro Sekunde,

37,59 Wörter pro Minute

ausgedacht & getippt.


In diesem Sinne

Peace.

4.4.18 Lesung (Nürnberg)

Salve,

Die erste Lesung im Jahre 2018 steht an. Sie findet am 4.April in der wunderschönen DESI in Nürnberg statt.

Vorgestellt werden Texte zu dem Thema „Traum, Rausch & Wahn“. Neben zwei Kurzgeschichten wird es auch ein Kapitel aus dem bisher unveröffentlichten Nachfolger der Fantasygeschichte zu bestaunen geben.

Wir laden herzlich ein, an diesem Abend die Realität hinter uns zu lassen und uns der wundersamen Welt jenseits der Wirklichkeit zu widmen.

flyeronline

#20 Traum mit Dame


Sie trinkt ihren Tee mit zwei Würfeln Zucker. Gibt es nur losen oder Süßstoff, verzichtet sie mit einem abschätzigen Blick auf ihre goldene Armbanduhr, von der sie noch nie die Zeit ablesen musste. Ihr Körperumfang und -fettanteil offenbaren einen dekadenten Lebensstil. Ein Lebensstil, in dem Festmahl und Fettabsaugung regelmäßige Unannehmlichkeiten darstellen und jedes Schwertbarschfilet in Hollandaise lediglich eine winzige Narbe hinterlässt. Minimalinvasiv gestalten sich, neben ihren Operationen, auch wohlgemeinte Ratschläge besorgter Angehöriger, die im rauschenden Nebel zwischen ihren Ohren verhallen. So fügt sich jede Narkose in die Euphonie ihrer polytoxen Blutbahnen, auf welchen, neben dem altbewähren Kokain, auch Chemikalien treiben, deren Verträglichkeit bisher ausschließlich an Resusäffchen und geschminkten Schweinen getestet wurde. Während die Affen mit ihren Halluzinationen in produktiven Dialog traten, schwollen die Herzen der Schweine unter dem tausendfach erhöhten Druck amphetaminbelaster Gefäße auf die Größe von Wassermelonen an, um dann lautstark zu explodieren. Die Fetzen servierte man Wochen später dem Bürgermeister in Aspik auf Porzellan und einigen Hunden aus Dosen.

Doch zurück zu der Dame, denn sie hasst es, wenn man sie warten lässt. Das Warten bereitet ihr Langeweile, da sie nie lernte, Einsamkeit in Tatendrang zu wandeln. Was werden die anderen denken? ist das missverstandene Mantra, welches ihre gurgelnde Kehle vor dem Schlafengehen unter tränennassen Wangen betet. Still und nur für sich.

Die Wirbelsäule dehnt und windet sich, der Kopf wälzt im klatschnassen Kissen, die Decke wölbt sich.

Schließe die Augen und beginne zu sehen.